18. November 2011

Ölfilter: Vom Sondermüll zu wertvollen Rohstoffen

Das Piemont, die Heimat des Trüffels sowie großer italienischer Rotweine zieht jedes Jahr Gourmets aus allen Teilen Europas an. Eine intakte Natur und Umwelt spielt für die Tourismusregion eine wichtige Rolle. In dieses Bild passt die neue Ölfilter-Aufbereitungsanlage in Predosa/Piemont. Die kürzlich in Betrieb gegangene Recyclinglinie produziert aus den Sonderabfällen wieder wertvolle Rohstoffe. Geliefert wurde die hochmoderne Anlage durch die MeWa Recycling Maschinen und Anlagenbau GmbH aus Gechingen im Auftrag der in Alessandria ansässigen Riccoboni-Gruppe.

 

Ausgetauschte PKW- und LKW-Ölfilter gelten europaweit als Sondermüll und müssen gesondert gesammelt werden. Weil die Bauteile aber zu fast 60% aus Metallen bestehen, ist die weitere Aufbereitung durchaus lohnend. Mit der richtigen Technologie lassen sich hochwertige Rohstoffe aus dem kontaminierten Fahrzeugzubehör zurückgewinnen. Gebrauchte Ölfilter sind kein ausgesprochenes Konsumgut. Bei Wechselintervallen von 10.000 bis 30.000 Kilometern je nach Fahrzeugtyp landet jedoch durchschnittlich ein Ölfilter pro Jahr und Fahrzeug in den Sammelbehältern der Werkstätten. Bei funktionierenden Sammelsystemen kommen auf diesem Wege mehrere zehntausend Tonnen pro Jahr zusammen.

 

Im Piemont hat die Riccoboni Holding, der führende Sondermüllaufbereiter Norditaliens, jetzt eine spezielle Recyclinglinie für Ölfilter in Betrieb genommen. Das Projekt hat der deutsche Anlagenbauer MeWa gemeinsam mit seinem italienischen Vertriebspartner Camoter initiiert und umgesetzt.

 

Am Standort Predosa, unweit der Provinzhauptstadt Alessandria, lagert und behandelt das zur Holding gehörende Unternehmen Grassano S.p.a. unterschiedliche gefährliche und ungefährliche Industrieabfälle. Ein Spezialgebiet des Familienunternehmens ist die Entsorgung von Altöl und ölhaltiger Abfälle. Gebrauchte Ölfilter bestehen zu einem Großteil aus Eisen. Daneben sind geringere Anteile an Aluminium enthalten. Aber auch der eigentliche Papierfilter, Gummimanschetten und weitere Kunststoffteile summieren sich zu einem Anteil von über 10 Gewichtsprozenten auf. Das noch enthaltene Öl macht etwa 20% des Materialgemisches aus. Zur sortenreinen Trennung der Wertstoffe bedarf es einiges an Erfahrung und Prozess-Know-how sowie geeigneter Anlagentechnologie.

 

Europaweit Pilotcharakter
Die vorhandene Anlage entsprach zuletzt allerdings nicht mehr dem modernsten Stand der Technik. Und auch die gestiegenen Inputmengen konnten in dem Unternehmen aus Predosa nicht mehr wie gewünscht bewältigt werden. Der schwäbische Recyclingspezialist MeWa hat in der Vergangenheit ein Verfahren entwickelt, bei dem die einzelnen Fraktionen vom Öl befreit werden und gleichzeitig das Schmiermittel vollständig aufgefangen wird.

 

Mit einer kompletten Anlagenlinie hat die Riccoboni-Gruppe jetzt eine Investition getätigt, die kontinuierlich fünf Tonnen Ölfilter pro Stunde verarbeiten kann und mit dieser Kapazität und der Qualität des Outputmaterials europaweit Vorbildcharakter hat. In einer ersten Ausbaustufe werden etwa 2,5 t/h Input verarbeitet. Zunächst sortieren Mitarbeiter Gaskartuschen, Textilien sowie massive Metallteile und andere Störstoffe wie beispielsweise Bremsscheiben aus dem Materialstrom aus. Die in der Aufberei-tungshalle ebenso vorzerkleinerten Metallfässer können dagegen mit in den weiteren Prozess eingeschleust werden. In einem einstufigen Verfahren zerkleinert ein MeWa-Spezialshredder aus der UG-Serie das Material auf eine Endkorngröße von ≤ 25 mm Millimetern. Der geschredderte Materialmix aus Eisen, Aluminium, Papier, Gummi und Öl wird einer Zentrifuge zugeführt und gereinigt. Das Öl wird abge-schieden und in Tanks gelagert. Der restliche Materialstrom ist nahezu trocken und kann deshalb über einen Magnetabscheider in eine Eisen (Fe)- und Nicht-Eisen (NFe)-Linie geteilt werden. Ein NFe-Separator trennt schließlich das Aluminium ab. Am Ende haften weniger als zwei Prozent Öl an den einzelnen Fraktionen.

 

Öl wird in Tanks gesammelt
MeWa hat für die Zerkleinerungsmaschine sowie für sämtliche Förderbänder, Zwischenbunker und Trennvorrichtungen Ablauf-rinnen und Ölauffangwannen installiert. So ist sichergestellt, dass das Öl in Tanks gesammelt wird und keine Kontamination des Hallenbodens erfolgt. Die Metalle verkauft Grassano in der gewonnenen Qualität direkt wieder an Gießereien weiter. Das Öl wird durch Raffination wieder aufbereitet und der verbliebene Rest wird als heizwertreiche Fraktion in der Zementindustrie oder speziellen Kraftwerken verbrannt.

 

Die Riccoboni-Gruppe als führender Sondermüllaufbereiter in Italien pflegt europaweite Geschäftsbeziehungen. Die Ölfilter bezieht Grassano auch aus den angrenzenden Ländern Frankreich, Schweiz, Österreich und Slowenien. Und so wird das Piemont durch eine weitere Attraktion für große Anziehungskraft über die Grenzen Norditaliens hinaus sorgen – wenn auch mehr in Recycling-Fachkreisen als bei Touristen. 

 

 

 

 

    Pressekontakt:

 

       Harald Pandl

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Harald.Pandl@mewa-
recycling.com

 

 

 

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